Raspbian-Fernsteuerung mit RDP

Anstatt Ihren Raspberry Pi mit Bildschirm, Tastatur und Maus zu verbinden, können Sie Ihre Raspbian-Installation auch über eine Netzwerkverbindung von Ihrem Notebook/PC aus fernsteuern. Solange Sie keine grafischen Programme benötigen, gelingt das am effizientesten und sichersten mittels SSH. Wenn Sie hingegen auch die grafische Benutzeroberfläche sehen und bedienen möchten, müssen Sie das Grafiksystem sowie die Interaktion mit Tastatur und Maus auf einen anderen Rechner quasi umleiten. Zu diesem Zweck haben wir Ihnen hier im Blog VNC als Lösung vorgestellt.

Es muss nicht immer VNC sein…

Ein Leser unseres Buchs hat mich kürzlich auf eine viel einfachere Alternative aufmerksam gemacht, die ich in meiner auf Unix/Linux fokussierten Sicht übersehen habe: Das Remote Desktop Protocol (RDP) ist ein von Microsoft entwickeltes Protokoll zur Darstellung eines Bildschirminhalts sowie zur Steuerung eines über das Netzwerk erreichbaren Computers. Obwohl dieses Protokoll zur Steuerung von Windows-Rechner gedacht ist, wird es auch von Linux unterstützt.

(Aktualisiert: 31.3.2017)

xrdp installieren

Die simple Installation von xrdp macht Ihren Raspberry Pi zu einem RDP-Server:

sudo apt-get remove realvnc-vnc-server
sudo apt-get install xrdp

Wenn Sie sich im Detail dafür interessieren, wodurch sich VNC und RDP unterscheiden, werfen Sie einen Blick auf die folgenden Seiten:

http://blog.codinghorror.com/vnc-vs-remote-desktop
http://superuser.com/questions/32495

Update März 2017: Bei aktuellen Raspbian-Versionen ist standardmäßig das Paket realvnc-vnc-server installiert. Dieses Paket ist inkompatibel zu xrdp und führt dazu, dass beim Versuch, eine Verbindung herzustellen, der nichts-sagende Fehler problem — error connecting auftritt. Abhilfe: Sie müssen zuerst realvnc-vnc-server deinstallieren und dann xrdp (neu) installieren. Also:

sudo apt-get remove xrdp realvnc-vnc-server
sudo apt-get install xrdp

Bei der Installation von xrdp wird dann automatisch das Paket vnc4server installiert. Das ist ein anderer VNC-Server, der kompatibel zu xrdp ist. Quelle: raspberrypi.stackexchange.com

RDP unter Windows nutzen

Nachdem die Installation unter Raspbian ein Kinderspiel war, erweist sich auch die Nutzung unter Windows als vollkommen unkompliziert: Um Ihren Raspberry Pi von Windows aus fernzusteuern, suchen Sie im Windows-Startmenü nach Remotedesktopverbindung. Im Dialog zum Verbindungsaufbau müssen Sie den Hostnamen des Raspberry Pi (im folgenden Screenshot pi2) sowie den Login-Namen pi angeben. Optional können Sie auch die gewünschte Auflösung und diverse andere Parameter festlegen.

RDP-Verbindung herstellen

Verbinden fragt nach dem Passwort für den Benutzer pi und stellt dann die Verbindung her. Das RDP-Programm warnt, dass die Identität des Raspberry Pis nicht überprüft werden kann. Das liegt daran, dass das auf dem Raspberry Pi laufende Programm xrdp nur eine relativ alte Version des RDP-Protokolls unterstützt. Mit Ja stellen Sie die Verbindung dennoch her. In einem neuen Fenster erscheint nun nach einigen Sekunden der vom Raspberry Pi vertraute Desktop.

Windows warnt, dass xrdp eine alte Protokollversion verwendet. Antworten Sie mit »Ja«!

Und schon kann Raspbian in einem Windows-Fenster bedient werden!

Der Bildschirminhalt im RDP-Fenster stimmt nicht mit dem Monitorbild des Raspberry Pi überein. Das liegt daran, dass für die RDP-Verbindung ein eigener Desktop gestartet wird, der vom echten Desktop des Raspberry Pi unabhängig ist! RDP agiert also nicht wie eine Fernwartungs-Software, die den vorhandenen Bildschirminhalt dupliziert. Das hat den Vorteil, dass die Grafikauflösung jeder RDP-Session individuell eingestellt werden kann.

Wenn Sie das RDP-Fenster schließen, erscheint ein Hinweis, dass die RDP-Session damit nicht beendet wird. Alle von Ihnen auf dem Raspberry Pi gestarteten Programme laufen weiter. Sie können sich später neuerlich einloggen und weiterarbeiten. Wenn Sie das nicht wünschen, müssen Sie auf dem Raspberry-Pi-Desktopn Shutdown / Logout ausführen.

RDP unter macOS und Linux nutzen

Sie können die RDP-Verbindung zum Raspberry Pi auch von einem Rechner herstellen, der unter macOS oder Linux läuft. Unter macOS installieren Sie dazu im App Store das kostenlose Programm Microsoft Remote Desktop.

Linux stellt diverse RDP-Clients zur Auswahl. Unter Ubuntu ist das Programm remmina installiert, das im Startmenü die Bezeichnung Zugriff auf entfernte Arbeitsflächen trägt. Zum Verbindungsaufbau wählen Sie das Protokoll RDP und geben den Hostnamen oder die IP-Adresse Ihres Raspberry Pi an.

Eine Alternative zu remmina ist das Programm rdesktop. Das gleichnamige Paket muss vor der ersten Verwendung installiert werden. Den Verbindungsaufbau initiieren Sie aus einem Terminal heraus mit rdesktop hostname, wobei Sie den Hostnamen des Raspberry Pi angeben. Bei Bedarf können Sie die Auflösung für die RDP-Verbindung mit der Option -g festlegen, also beispielsweise mit -g 1280x1024.

Ordentlichen Maus-Cursor einstellen

Im Remote-Desktop-Fenster kommt standardmäßig ein häßlicher, X-förmiger Maus-Cursor zum Einsatz. Damit stattdessen der gewöhnliche Maus-Cursor zum Einsatz kommt, führen Sie als Benutzer pi die folgenden Kommandos aus:

cd
echo "xsetroot -cursor_name left_ptr&" > .xsessionrc
chmod a+x .xsessionrc 
sudo systemctl restart xrdp

5 Gedanken zu „Raspbian-Fernsteuerung mit RDP“

  1. Startet die Remote-Desktopverbindung dann zukünftig beim booten des Raspi automatisch?

    1. Nein, gestartet wird nur ein Dämon, der wenig Speicherplatz benötigt. Erst wenn ein Client eine RDP-Verbindung herstellen will, wird der virtuelle Desktop eingerichtet. Das dauert dann eine Weile (ca. 5 bis 10 Sekunden). Der Desktop bleibt dann bestehen, bis er explizit durch Ausloggen beendet wird. In diesem Zeitraum erfolgt ein neuerlicher RDP-Verbindungsaufbau nahezu verzögerungsfrei.

  2. bei mir ist ein anderer Desktop ich brauche allerdings den aller selben. wie kann ich das beheben?

  3. Bei öffnet sich nach dieser Anleitung leider nur ein Auswahlmenü für verschiedene Module, vnc und rdp, von denen keines zu funktionieren scheint…

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